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Ann Cotten © ÖGfL -
Esther Kinsky © Heike Steinweg / WELTWEIT
Ann Cotten und Esther Kinsky erhalten den mit jeweils 15.000 Euro dotierten einmalig vergebenen Preis für ihre beiden aktuellen Lyrikbände, Cottens »Poller. Idyllen« (Suhrkamp, 2026) und Kinskys »Heim.Statt« (Suhrkamp, 2025).
Ausgehend vom Gedenken an Ingeborg Bachmann, die dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, zeichnet der vom Beauftragten der Deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten der Republik Österreich (BMEIA) initiierte Preis jeweils eine Lyrikerin bzw. einen Lyriker, die/der in Deutschland oder Österreich ihren Lebensmittelpunkt haben und in den vergangen drei Jahren Lyrikbände herausbrachten, aus.
Preisprofil: Europäische Traditionen und Sprachwelten
Die Arbeit der ausgezeichneten Autorinnen und Autoren soll – wie die Ingeborg Bachmanns – von der Zusammenführung verschiedener europäischer Traditionen, Sprachwelten und Kulturräume geprägt sein.
Die weitere Überführung der Texte in verschiedene (nicht nur Sprach-)Räume durch zwei Übersetzungswerkstätten in Berlin und Wien ist im Preiskonzept mitgedacht. Der Lyrikpreis wird daher ausdrücklich als Prozess gesehen und als Ausgangspunkt einer weiteren Auseinandersetzung mit dem Werk der beiden Autor*innen verstanden.
Jury
Die Preisträgerinnen wurden am 28. September 2026 von einer unabhängigen Jury ausgewählt, der wichtige Literaturinstitutionen sowie Expertinnen und Experten beider Länder angehören: Jan Bürger (Literaturarchiv Marbach), Bernhard Fetz (Literaturarchiv Wien), Daniela Strigl (freie Kritikerin, Wien), Beate Tröger (freie Kritikerin, Frankfurt am Main), Aurélie Maurin (TOLEDO/Literarische Colloquium Berlin) sowie Ursula Ebel und Manfred Müller (Österreichische Gesellschaft für Literatur).
Die Jurybegründungen für die Wahl der 1956 in Engelskirchen geborenen deutschen Schriftstellerin und Übersetzerin Esther Kinsky sowie der 1982 in Iowa geborenen und in Österreich aufgewachsenen Schriftstellerin und Übersetzerin Ann Cotten lauten wie folgt:
Spannungsfeld zwischen Behaustheit und Ortlosigkeit
»Esther Kinskys Gedichtband ›Heim.Statt‹ benennt schon in seinem Titel das Spannungsfeld zwischen Behaustheit und Ortlosigkeit. Sieben mehrstimmige Langgedichte übersetzen Zustände der Entwurzelung und Randständigkeit in eine raue, eigensinnige poetische Sprache. Was es bedeutet, mit Zugehörigkeits- und Sprachverlust umzugehen, erkundet die 1956 geborene Autorin und Übersetzerin virtuos. In ihrem Durchmessen verschiedener Sprachräume steht sie in der Tradition ihrer Vorgängerin Ingeborg Bachmann.«

Visionäres Gespür
»Ann Cotten erhält den Lyrikpreis für ›Poller. Idyllen‹, ein Buch, in dem sie den antiken Begriff der Idylle mit Klugheit, Witz und Bravour ernstnimmt und zugleich unterläuft. Die Autorin hat den Band selbst illustriert, auf jeder Seite steht oben das Gedicht, während sich unter dem Strich ein recycelter Prosatext als botanisches Substrat verteilt. Als Übersetzerin, Japan-Enthusiastin und Vergnügungsreisende durch die Literaturgeschichte bewegt Ann Cotten sich mit spielerischer Neugier zwischen den Zeiten und Kulturen und führt vor, wie eine Lyrik aussieht, die Zeitgenossenschaft mit Eigensinn und visionärem Gespür vereint.«

Preisverleihung auf der Buch Wien
Am Eröffnungsabend der Buch Wien am 25. November 2026 wird der Preis vom deutschen Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, und von Staatssekretär Sepp Schellhorn gemeinsam überreicht.
Auf der Buchmesse findet am 26. November, 17 Uhr, zudem ein eigenes Panel mit den beiden Preisträgerinnen statt, mit dem Titel: »Ich grenz noch an ein Wort und an ein andres Land« – Deutsch-Österreichischer Lyrikpreis anlässlich des Ingeborg-Bachmann-Jubiläums 2026.
Übersetzungswerkstätten am LCB und in der ÖGfL
Mit dem Preis ist weiters die Teilnahme an Übersetzungswerkstätten in Berlin am LCB und in Wien in der ÖGfL verknüpft. Dort beschäftigen sich die Preisträgerinnen gemeinsam mit Literaturübersetzerinnen und -übersetzern insbesondere mit Sprachen, die mit Bachmanns Leben und Werk, aber auch mit ihrer eigenen übersetzerischen Tätigkeit in enger Verbindung stehen.
Im Mittelpunkt steht dabei der Austausch darüber, wie sich ihre eigenen Texte in andere Sprachen übertragen lassen und welche neuen Perspektiven dadurch entstehen. Der Preis schafft damit auch einen Raum für literarischen und europäischen Austausch. Zugleich knüpft er an das reiche literarische Werk Ingeborg Bachmanns an, das bis heute weit über den deutschsprachigen Raum hinauswirkt.
Projektträger sind auf deutscher Seite das Literarische Colloquium Berlin e.V. (LCB) in Kooperation mit dem TOLEDO-Programm des Deutschen Übersetzerfonds und auf österreichischer Seite die Österreichische Gesellschaft für Literatur (ÖGfL).
Wir gratulieren herzlich!
Veranstaltungshinweis:
»Ich grenz noch an ein Wort und an ein andres Land« – Deutsch-Österreichischer Lyrikpreis anlässlich des Ingeborg-Bachmann-Jubiläums 2026
Donnerstag, 26. November 2026, 17:00 – 17.45, Donau Lounge
Die Preisträger*innen und Jurymitglieder des einmaligen österreichisch-deutschen Lyrik-Literaturpreises im Gespräch.
Im Jubiläumsjahr anlässlich des 100. Geburtstags von Ingeborg Bachmann würdigen Österreich und Deutschland gemeinsam die deutschsprachige Gegenwartslyrik mit einer neuen, einmaligen Auszeichnung: dem Deutsch-Österreichischen Lyrikpreis. Initiiert wird dieser vom Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten der Republik Österreich (BMEIA) und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).