Der gestrige Abend stand im Zeichen der Lyrik. Hermann Niklas und Patricia Mathes präsentierten ihre neuen Lyrikbände »Dünne Orte« (Limbus Verlag) und »wolkenbruch« (Literaturedition NÖ). Während die beiden Lyriker*innen sehr unterschiedliche Bände vorstellten, wird eine Gemeinsamkeit deutlich: ihre Faszination und das Spiel mit der Sprache.
Hermann Niklas versammelt in seinem Band »Dünne Orte« (Limbus Verlag) zwölf Gedichtzyklen, mit einer Reihe von kurzen Gedichten, die ein Ende und eine Veränderung anklingen lassen. Meist spricht dabei ein lyrisches Ich oder ein Wir zu einem Du. Die erzeugte Stimmung ist zu Beginn düster und bedrohlich, immer wieder werden der Tod und Zerstörung thematisiert. Gegen Ende wird die anfängliche Hoffnungslosigkeit jedoch durch einen Hoffnungsschimmer durchbrochen. Der Dichter widmet sich in seinen Gedichten Themen wie der Welt an sich, dem Abend und der Nacht, Natur und Tieren – wobei es hierbei weniger um die Schönheit der Natur, sondern vielmehr um Folgen geht, die durch die Klimakrise entstehen – und der Sprache selbst. Niklas lässt dabei viele Leerstellen entstehen.
Im Gespräch mit Ines Scholz erzählt er u.a. über seinen Zugang zu Krisen in seinen Gedichten, so habe er etwa erkannt, dass das Aneinanderreihen von Krisen Hoffnung und Resilienz mit sich bringe. Der erste Gedichtzyklus sei nach dem Besuch der Ausstellung »Nach uns die Sinntflut« im KunstHaus Wien entstanden. Er habe anschließend versucht, die dort gezeigten Bilder in seine Sprache zu übersetzen. Literatur entstehe für ihn, wenn ihn die Sprache erreiche, einen speziellen Plan gäbe es dabei nicht.
In ihrem 2. Lyrikband »wolkenbruch« (Literaturedition NÖ), folgt Patricia Mathes einem speziellen Konzept. So ist jedem Kapitel eine sogenannte Wortwolke vorangestellt, die im »digitalen wörterbuch der deutschen sprache« generiert wurde. mit jenem Wort aus dieser Wolke, das für das letzte Gedicht in dem jeweiligen Kapitel verwendet wird, wird dann eine neue Wortwolke für das darauf folgende Kapitel gebildet. Von dem ersten Wort ›ferne‹ ergeben sich somit Ausgangswörter für die Wortwolken wie u.a. ›licht‹, ›blau‹, ›wissen‹ oder auch ›bundesstraße‹. Wie beeinflusst ein Wort ein anderes oder dieses Wort dann seine Umgebung? Diesen und weiteren sprachphilosophischen Fragen geht Patricia Mathes in ihrem Band auf den Grund.
In den Gedichten selbst wird Bewegung spürbar, thematisiert werden Landschaft und Natur, Stille und das Erinnern, aber auch das Sprechen und das Schreiben.
Im Gespräch mit der Moderatorin erzählt Mathes u.a., dass die Sprachwissenschaft sie bereits seit Studienzeiten fasziniere, welche Fragen sie beim Schreiben begleitet haben – etwa »Was sagt das über ein Wort aus, wenn es mit gewissen anderen Worten vorkommt? Ist ein Wort in einem Satz, das gleiche Wort wie in einem anderen Satz?« – und welchen Einfluss die verwendeten Wortwolken auf ihre dichterische Sprache hatten.
Die zahlreichen interessierten Gäste konnten den Abend schlussendlich bei Wein und Grissini ausklingen lassen.
Moderation: Ines Scholz
Gemeinsam mit der Literaturedition NÖ