Gestern Abend stand eine neue Auflage der Veranstaltungsreihe ›VERSsprechen‹ mit Semier Insayif auf dem Programm, deren Mittelpunkt diesmal der von Elisa Asenbaum herausgegebene Band »nie als allein – Phänomen Dialog & lyrische Interferenzen« (Edition fabrik.transit) bildete. Diese Edition von ›VERSsprechen‹ war insofern außergewöhnlich, als doppelt so viele Gäste wie bisher zum gemeinsamen Dialog auf der Bühne Platz nahmen – begrüßen durften wir Elisa Asenbaum, Harald Hofer, Renate Resch und Herbert J. Wimmer.
Im Zentrum des Abends stand ganz klar das Phänomen des Dialogs, wovon bereits die erste Lesung zu Beginn einen guten Eindruck lieferte: Elisa Asenbaum und Herbert J. Wimmer lasen abwechselnd Passagen aus dem Band, wobei die Texte in spielerischer Weise aufeinander Bezug nahmen, antworteten, sich vieldeutig adressierten – kurz, in einen Dialog miteinander traten. In dem von Asenbaum initiierten poetischen Projekt »nie als allein« wird Raum geschaffen für vielfältige Auseinandersetzungen mit dem Thema Kommunikation, die auch wissenschaftliche Blickwinkel miteinbeziehen und damit ein Spektrum an interdisziplinären Zugängen erfahrbar machen.
Im Gespräch mit Semier Insayif gab Herbert J. Wimmer Einblicke in den Entstehungsprozess seines Beitrags zum poetischen Dialog. Elisa Asenbaum erklärte, welche Überlegungen hinter dem Projekt standen und betonte die zentrale Rolle des Austauschs und der Offenheit, wobei das Konzept einer streng linearen Entwicklung bewusst abgelehnt wird. Das Ich befinde sich demnach in einem ununterbrochenen Dialog mit seiner Umgebung, und die Intention der in dem Band versammelten Texte sei nicht zuletzt, den Blick auf diese wechselseitige Beeinflussung zu schärfen. Gemäß der programmatischen Offenheit wird die Thematik ›Dialog‹ in einem sehr breiten Bedeutungsrahmen gefasst – sei es gesellschaftlich, räumlich, biologisch oder philosophisch. Die Vielfalt in der Definition spiegelte sich in den unterschiedlichen Schwerpunkten der Gäste wider: Renate Resch brachte die Perspektive der Diskursanalyse in die Diskussion ein, Harald Hofer sprach als Mathematiker, Physiker und Philosoph. Ergänzt durch Anregungen aus dem Publikum und abgerundet durch eine dialogische Lesung von Elisa Asenbaum und Semier Insayif war es ein gelungener Abend mit spannenden Reflexionen über Fragen der Abgrenzung des Ichs, der Fluidität, des Monologischen innerhalb des Dialogs sowie der Bedeutungskonstruktionen beim Schreiben und Lesen.
Moderation: Semier Insayif
Österreichische Gesellschaft für Literatur, 28. Oktober 2025
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Büchertisch ©ÖGfL -
Elisa Asenbaum und Herbert J. Wimmer ©ÖGfL -
Renate Resch und Semier Insayif ©ÖGfL -
Herbert J. Wimmer ©ÖGfL -
Elisa Asenbaum, Herbert J. Wimmer und Harald Hofer ©ÖGfL -
Elisa Asenbaum und Semier Insayif ©ÖGfL -
Harald Hofer, Herbert J. Wimmer, Elisa Asenbaum, Renate Resch und Semier Insayif ©ÖGfL