Die woke cancel culture als neuer Lieblingskampfbegriff und Anlass für schlaflose Nächte Rechtskonservativer: alles voll mit Triggerwarnungen und kultureller Aneignung, Gender und Sprachverboten! Angesichts dieses von rechts (und links?) geführten Kulturkampfes scheint eine reflektierte Debatte kaum mehr möglich.
Sich dieser derzeitigen Debatten- und Empörungskultur aktiv entgegenzustellen, war das Ziel der »Revue der Entpörung«, die von den Österreichischen Häusern der Literatur im Rahmen der Initiative mitSprache organisiert wurde. In Reden, Lesungen und Performances gingen 15 Künstler*innen an einem langen Nachmittag und Abend im Schauspielhaus u.a. den folgenden Fragen nach: Was bedeutet all die Empörung für das literarische Schreiben? Wie kann den aufgeheizten Debatten entgegengewirkt werden? Welche literarische Formen und welchen Umgang mit Wörtern und festgefahrenen Begriffen erfordern unsere Zeit?
Das Programm
Nach einer kleinen Einführung der Moderatorin Pia Hierzegger eröffnete Daniel Wisser den Nachmittag mit einer Rede: »Sprache in der oligarchischen Gesellschaft«. Anschließend präsentierte Sophia Löffler in Interaktion mit Bild und Ton Carolyn Amanns Performance »Affektive Infrastrukturen«; danach war Egon Christian Leitner mit seinem Plädoyer »Einfache Wunder, erfreuliche Wahrheiten« an der Reihe.
Der Text der leider erkrankten Julya Rabinowich »Entpörtinenzen!«, eine witzige Hommage an Herrn Karl, wurde von Daniel Wisser vorgetragen.
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Pia Hierzegger © Lukas Dostal / mitSprache -
Daniel Wisser © Lukas Dostal / mitSprache -
Sophia Löffler © Lukas Dostal / mitSprache -
Egon Christian Leitner © Lukas Dostal / mitSprache -
Daniel Wisser in Vertretung von Julya Rabinowich © Lukas Dostal / mitSprache
Im zweiten Programmblock präsentierte Thomas Köck »Es gibt schon genug Faschisten in diesem Land oder: Mario Kunasek hasst diesen Titel« in Form einer Lesung mit multimedialer Darstellung und Synthesizer-Einsatz. Weiter ging es mit Johanna Sebauer und ihrem Prosatext »Die Kugelrunden«. Petra Maria Kraxner und Lisa Kärcher führten die Performance »Verliebt euch!« auf, in der sie »woke« Liebesbriefe verfassten und an das Publikum verteilten. Den Block schlossen Elias Hirschl und Fabian Navarro mit der Lesung und Präsentation »Das ertrinkende Kind« ab.
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Thomas Köck © Lukas Dostal / mitSprache -
Thomas Köck © Lukas Dostal / mitSprache -
Johanna Sebauer © Lukas Dostal / mitSprache -
Lukas Meschik © Lukas Dostal / mitSprache -
Pia Hierzegger © Lukas Dostal / mitSprache -
Lisa Kärcher und Petra Maria Kraxner © Lukas Dostal / mitSprache -
Lisa Kärcher © Lukas Dostal / mitSprache -
Lisa Kärcher und Petra Maria Kraxner © Lukas Dostal / mitSprache -
Elias Hirschl und Fabian Navarro © Lukas Dostal / mitSprache -
Elias Hirschl und Fabian Navarro © Lukas Dostal / mitSprache -
© Lukas Dostal / mitSprache
Den Auftakt des dritten Blocks bildete Konzeptliteratur: Unter dem Titel »sempre sempern. best of kuhhaut« las Max Höfler aus der Bauentwurfslehre von Neufert und interagierte dabei mit dem Publikum. Danach war Anna Weidenholzer mit dem Prosatext »Buttergewirr, kurz nach vier« auf der Bühne. Anschließend erzählte Nicolas Mahler unter dem Motto »Na, das wird schon irgendwie Kunst sein« von seinen Erfahrungen mit Menschen, die sich über seine Kunst empörten, und veranschaulichte diese Situationskomik mithilfe von Comics. Den Abschluss der Veranstaltung bildete Austrofred mit der lustigen Lesung »Der AUFmacher: Der Mann, der bei AUF2 der Esser Hans war«.
Für eine musikalische Begleitung des Abends sorgten Anna Weidenholzer und Lukas Meschik, die zwischen den Lesungen und Performances sowohl einzeln als auch gemeinsam auftraten.
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Max Höfler und Austrofred © Lukas Dostal / mitSprache -
Max Höfler © Lukas Dostal / mitSprache -
Max Höfler © Lukas Dostal / mitSprache -
Anna Weidenholzer © Lukas Dostal / mitSprache -
Pia Hierzegger © Lukas Dostal / mitSprache -
Nicolas Mahler © Lukas Dostal / mitSprache -
Nicolas Mahler © Lukas Dostal / mitSprache -
Austrofred © Lukas Dostal / mitSprache -
Lukas Meschik und Anna Widauer © Lukas Dostal / mitSprache -
Nicolas Mahler © Lukas Dostal / mitSprache
Anstelle der bei Revues traditionellen »Nummerngirls« steuerte das »Kollektiv Wien« – bestehend aus den Sprachkunst-Studierenden Fred Heinemann, Leonie Ziem und Valerie Prinz – 12 kurze Interventionen zum Thema cancel culture und wokeness bei.
Die Theaterbar USUS im Schauspielhaus begleitete die Revue gastronomisch, den Büchertisch organisierte die Buchhandlung List.
Schauspielhaus Wien, 25. Oktober 2025
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mitSprache © Lukas Dostal / mitSprache -
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© Lukas Dostal / mitSprache -
mitSprache © Lukas Dostal / mitSprache