Unsere Veranstaltung vergangen Freitag Abend war den Briefen und der Lyrik gewidmet. Gelesen wurde aus den aktuellsten Publikationen von Michael Krüger und Katharina Pektor. Burgtheaterschauspielerin und Autorin Dörte Lyssewski las aus dem Briefwechsel von Peter Handke und Manfred Osten, ein Podiumsgespräch zwischen Michael Krüger, Manfred Osten und Katharina Pektor bildete den Abschluss des Abends.
Den Anfang machte Michael Krüger, eine Institution des europäischen Literaturbetriebs. Über mehr als zwei Jahrzente war er Leiter des Hanser Verlags sowie als Übersetzer, Literaturkritiker und Lyrik- und Prosa-Autor tätig. An diesem Abend präsentierte er seinen neuen Gedichtband »Die Wiedereinführung der Sanduhr. Gedichte«, der dieses Jahr bei Suhrkamp erschienen ist. In dem Band versammelt er sowohl Gedichte aus unterschiedlichen Jahren als auch einige, die zum ersten Mal veröffentlicht wurden. Krügers Lyrik ist geprägt von seiner unmittelbaren Umgebung. Er schreibt aus seinem Holzhaus in einem Wald in Bayern, unterhält sich mit der Natur und der Tierwelt. Auch aktuelle globale Geschehnisse und Krisen, wie etwa die Corona-Panedemie oder der Krieg in der Ukraine, sind Inhalt seiner lyrischen Reflexionen.
Das zweite Buch des Abends trägt den Titel »›Sterne glänzend im angebissenen Apfel.‹ Briefe 1979–2024«, herausgegen von Katharina Pektor und erschienen im Wallstein Verlag. Es beinhaltet eine Auswahl der Briefkorrespondenz zwischen Peter Handke und Manfred Osten – ein von einem »Lehrer-Schüler-Verhältnis« bestimmter Dialog, der sich wie »eine kleine Schule der Poesie« liest. (Katharina Pektor)
Ausgewählte Passagen wurden von Dörte Lyssewski vorgetragen. Sie ist Mitglied des Burgtheater-Ensembles, Theateregisseurin und selbst Lyrik- und Prosa-Autorin. Manfred Osten ist neben seiner Tätigkeit als Autor auch Jurist, Diplomat und Kulturhistoriker. Johann Wolfgang von Goethe stellt eine zentrale Figur dar, um die sein Werk im Ausdruck einiger Monografien kreist. Doch auch die Lyrik trägt bei ihm große Bedeutung.
Katharina Pektor ist u. a. Literaturwissenschaftlerin, Kuratorin und Herausgeberin des besprochenen Bandes und wurde von Michael Krüger als »die größte Kennerin des Werks von Peter Handke« beschrieben. Ihre zahlreichen Publikationen zu Handke begründen diese Zuweisung, aber auch ihre Funktion als Leiterin der digitalen Edition »Peter Handke – Notizbücher« im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek. Gemeinsam mit Manfred Osten und Michael Krüger folgte ein Gespräch, in dem den geteilten Erfahrungen mit ihm und dem Werk Peter Handkes nachgespürt wurde. Auch Krüger, der mit Peter Handke befreundet ist, war immer ein Begleiter der gemeinsamen Arbeit der beiden. Er hebt hervor, dass vor allem die Lyrik-Übersetzungsarbeit Handkes ein oft übersehenes Element in seinem Werk darstellt. Dörte Lyssewski rundete die Podiumsdiskussion mit einem spontanen Plädoyer zur Lyrik ab und betonte ihre Bedeutung in unserer stürmischen, oft beängstigenden Zeit von KI und globalen Krisen.
Podiumsgespräch: Michael Krüger, Manfred Osten, Katharina Pektor
Lesung: Michael Krüger, Dörte Lyssewski
Moderation: Manfred Müller, Katharina Pektor
Gemeinsam mit der Österreichischen Nationalbibliothek & der Deutschen Botschaft in Wien
Österreichische Gesellschaft für Literatur, 16. Oktober 2026