Erich Schirhuber, Claudia Bitter, Udo Kawasser, Martin Dragosits, Nicole Kiefer, Erika Kronabitter © ÖGfL
Schon seit vielen Jahren ist die Präsentation der neuen Bände der vom Literaturverein PODIUM herausgegebenen ›Podium Porträts‹ ein Fixpunkt im Lyrikmärz in der Literaturgesellschaft. Die kleinen feinen Bände enthalten eine Auswahl an Gedichten aus dem Werk der jeweils porträtierten Lyriker*innen, darüber hinaus ist darin ein Vorwort, eine Kurzbiografie, eine Bibliographie, ein Foto sowie eine Signatur zu finden. Damit agieren die ›Porträts‹ auch als eine Art »Visitenkarte« für die Autor*innen.
Im Zentrum der gestrigen Veranstaltung standen die Bände 131 bis 134, die den Lyriker*innen Martin Dragosits (Bd. 131), Erich Schirhuber (Bd. 132), Claudia Bitter (Bd. 133) und Udo Kawasser (Bd. 134) gewidmet sind. Durch den Abend führte Erika Kronabitter, die seit 2020 als Herausgeberin der ›Porträts‹ agiert. Bezug nehmend auf die Vorworte, stellte sie jeweils vorab kurz das Werk der Autor*innen vor; im Anschluss an die Lesungen folgten kurze Gespräche.
Der Reihenfolge der Bände entsprechend, wurde der Abend von Martin Dragosits eröffnet. Dessen Band sei, wie Klaus Ebner in seinem Vorwort schreibt, keineswegs eine »beliebige Zusammenstellung«, denn »wer den Autor kennt, weiß, dass […] die Gesamtheit eines dragositsschen Gedichtbandes in sorgfältiger und akribischer Arbeit geradezu komponiert wird.« Die hier abgedruckten Gedichte, die häufig in der Lyrik untypische Themen von Politik, Wirtschaft und Religion bis hin zur Rockmusik behandeln, reichen von Martin Dragosits Anfängen als Lyriker in den 80er Jahren bis hin zur Gegenwart und erzeugen auf diese Weise ein Kaleidoskop seines lyrischen Schaffens.
Als Nächster kam Erich Schirhuber an die Reihe. Er sei einer, so Christian Teissl in seinem Vorwort, »der an seinen Gedichten arbeitet wie ein Lexikograph an einem Lexikonartikel, fundiert und präzise, und sich dabei zugleich ein legeres, lockeres, unprätentiöses Parlando bewahrt.« Der Porträtband ist, entsprechend den bisher acht vorgelegten Lyrikbänden, in chronologische Kapitel eingeteilt und gibt »das lyrische Weltbild eines Menschen« wider, der verschiedene Widersprüche vom »polyglotten Regionalisten«, »sesshaften Flaneur« und »systematischen Flaneur« bis hin zum »Beamten in Personalunion« in sich vereine.
Die Dritte im Bunde war Claudia Bitter. Ihr Podium Porträt ist, wie Jana Volkmann in ihrem Vorwort schreibt, »Teil eines umfangreichen medien- und formenübergreifenden sprachkünstlerischen Werks«, denn neben ausgewählten älteren und neueren Gedichten sind auch Illustrationen der Autorin enthalten. Als verbindende Elemente in den auch medial höchst unterschiedlichen Arbeiten der Autorin sieht sie »Akribie und Entdeckungslust« einerseits, eine gewisse »Offenheit für das Unberechenbare« und den »Willen, es zu etwas Neuem zu arrangieren«, andererseits.
Die letzte Lesung des Abends erfolgte durch Udo Kawasser, der in seinem Porträt-Band mit »leibeigenen Gedichten« einen Kanon beginnen lässt und dann in vier weiteren Abschnitten ein Best-of seiner Lyrikbände vorstellt. Immer wieder kommt er dabei auf die Natur zu sprechen bzw. zu schreiben. Helwig Brunner, der Verfasser des Vorworts und selbst Biologe, »sieht es als besondere Leistung der Literatur Kawassers an, dass sie jene Herausforderungen, die unser Dasein, unsere Beziehungen, die Gesellschaft und das Weltgeschehen an uns stellen, auf höchstem poetischen Niveau nicht nur vor dem Hintergrund, sondern gewissermaßen anhand der Natur verhandelt, ohne diese dabei jemals zu verklären oder durch anthropomorphe Lesarten über Gebühr zu vereinnahmen.«
Moderation: Erika Kronabitter
Österreichische Gesellschaft für Literatur, 12. März 2026
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Udo Kawasser und Erika Kronabitter © ÖGfL -
Martin Dragosits © ÖGfL -
© ÖGfL -
Claudia Bitter © ÖGfL -
Erich Schirhuber © ÖGfL -
Udo Kawasser © ÖGfL