Gestern Abend durften wir zwei Autor*innen bei uns begrüßen, die bereits mehrmals zu Gast waren: Marianne Jungmaier und Daniel Zipfel
Die beiden präsentierten ihre brandneuen Bücher – Marianne Jungmaier den Erzählband »Kontinentaldrift. Reisestories« (Otto Müller Verlag) und Daniel Zipfel seinen neuen Roman »Walküre« (Leykam).
In Marianne Jungmaiers Band begleitet man die Ich-Erzählerin in 12 Erzählungen auf eine Reise in verschiedene Länder, von Ort zu Ort, von Region zu Region. So begleitet man sie u.a. nach Armenien, in die USA, Pakistan und Mexiko oder auch Portugal, London und Berlin.
Gezeichnet sind diese Reisen stets von eindrucksvollen Begegnungen und Erlebnissen, denn die Erzählerin möchte weniger touristische Orte sehen, sondern vielmehr das tatsächliche Leben Einheimischer an den jeweiligen Orten miterleben. Sie erzählt dabei von Schicksalen genauso wie von Zufällen und verwebt diese mit politischen Aspekten. So wird beispielsweise der Genozid an den Armenier*innen angesprochen, die gesellschaftlichen Situationen in Pakistan und Dubai oder auch die Bedeutung von staatlichen Stipendien für Künstler*innen und gesellschaftliche Erwartungen an Individuen.
Es ist eine Rastlosigkeit, die die Ich-Erzählerin von Ort zu Ort treibt und zu ihren nächsten Erlebnissen begleitet.
Im Gespräch mit Ines Scholz erzählte Marianne Jungmaier u.a. von ihren Recherchereisen, ihrem Schreibprozess – so macht sie während der Reisen kaum Notizen, jedoch viele Fotos, die sie bei der Verarbeitung der Geschichten als Erinnerungsstütze nützt – sowie von ihrem großen Interesse und der Verbindung zu Armenien und seiner Geschichte.
Daniel Zipfel hingegen versetzt seine Geschichte in das Jahr 2015 zurück und stellt Asylsuchende in Österreich ins Zentrum. Benjamin Weiß, Jurist in der Sylrechtberatung, übernimmt den Fall eines syrischen Dolmetscher, dem vorgeworfen wird, Kriegsverbrechen begangen zu haben.
Gleichzeitig zieht der Autor eine Parallele zur NS-Vergangenheit der Großeltern des Protagonisten und erzählt in einem zweiten Handlungstrang von Benjamins Großvater Paul, der im 2. Weltkrieg nach Osteuropa geschickt wurde und ebenfalls Kriegsverbrechen begang. In der Familie wurde später über diese Taten jedoch stets geschwiegen.
Dass es sich bei diesem Roman bereits um den dritten Roman des Autors handelt, der Flucht und Asyl in Österreich thematisiert und welche Realitätsnähe sich durch seinen Beruf als ebenfalls Asylrechtberater ergibt, erzählte Daniel Zipfel u.a. im Gespräch mit der Moderatorin. Ebenso angesprochen wurde die Schwierigkeit für Benjamin, sich von seinen Klient*innen abzugrenzenden sowie sein Zwiespalt, sein eigenes Bild der Großeltern mit den Geschehnissen von damals zu verbinden.
Es sind zwei Bücher, die sich sehr unterschiedlichen Themen widmen, eine andere Form und Sprachmelodie wählen und dennoch ein Aspekte teilen. So wird beispielsweise beschrieben, wie Politisches im Privatem Einfluss nimmt, das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen und die Bedeutung von Hilfsbereitschaft.
Ergänzt wurden die Gespräch durch Lesepassagen der beiden Autor*innen aus ihren jeweiligen Büchern.
Moderation: Ines Scholz
Österreichische Gesellschaft für Literatur, 17. März 2026
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Marianne Jungmaier © ÖGfL -
Daniel Zipfel © ÖGfL -
Marianne Jungmaier und Ines Scholz © ÖGfL