Der gestrige Abend stand ganz im Zeichen der Lyrik und widmete sich einer Reihe, die bereits traditionell einen Platz in unserem Programm findet, der Limbus Lyrik.
Ewald Baringer präsentierte seinen neuen Lyrikband »Stunde der Wintervögel«, Michael Stavarič sein Buch »spüren«.
In »Stunde der Wintervogel« versammelt Ewald Baringer ca. 60 betitelte Gedichte, die durch kurze lyrische Einschübe ergänzt werden. In den für den Band gewählten freien Rhythmus schleichen sich ebenso vereinzelt Reime in seine Verse. Ebenso Ein- bis Vierzeiler, die jeweils eine Zeile länger sind, als der Name verspricht, Dialektgedichte und überraschende Einschübe charakterisieren diesen Band. Ironie und Humor sind ebenso zu finden wie Lyrik über schwierige Beziehungen oder schmerzhafte Gedanken.
Das Langgedicht »spüren« von Michael Stavarič hingegen setzt den Körper als Ort des Spürens in den Mittelpunkt seiner Lyrik. Die immer wiederkehrende Anfangsformel »Ich spüre« bestärkt dabei das lyrische Ich und setzt das Selbst in Relation zur Umwelt. Es ist eine Suche nach zwischenmenschlichen Beziehungen, Betrachtungen und Wahrnehmungen der Umgebung und des Kosmos, die Leser*innen bis ins Übernatürliche führen. Ebenso setzt der Autor auf intertextuelle und popkulturelle Referenzen und fordert Leser*innen auf, selbst mitzuspüren.
Im Gespräch mit Ines Scholz erzählten die beiden Autoren von ihrem Schreibprozess, ihren unterschiedlichen Vorlieben von kurzer oder langer Lyrik, der Bedeutung von Tieren in ihren Werken sowie dem Vorhaben und Wunsch mit Gedichten zu überraschen.
Es ist das Spiel mit der Sprache, mit Rhythmen, mit Wahrnehmungen, das die beiden Autoren beherrschen und dabei gleichzeitig die stetig verändernde Welt betrachten.
Moderation: Ines Scholz
Österreichische Gesellschaft für Literatur, 10. Dezember 2025