Am Donnerstag Abend war Laura Freudenthaler mit ihrem brandneuen Roman »Iris« (Jung und Jung) in der Literaturgesellschaft zu Gast.
Der Titel verweist einerseits auf den Namen der Protagonistin, eine Schriftstellerin, andererseits als Teil des Auges auf das Sehen bzw. die Sinne und Wahrnehmungen im Allgemeinen. Ein zentrales Thema ist Iris‘ Interesse an den Hexenprozessen von Salem. Dabei bleibt es jedoch nicht bei einer distanzierten Beschäftigung der Protagonistin, stattdessen spielen der Missbrauch und die Folter von Frauen eine immer größer werdende Rolle in ihrem Leben. Es scheint fast so, als würden diese Themen immer mehr Besitz von ihr ergreifen, sich in ihren Körper zunehmend einschreiben. Der Missbrauch des Körpers, das Besitzergreifen und Überwältigtwerden in einer problematischen Welt stehen im Zentrum des Buchs.
Die Vielzahl der Themen korrespondiert mit der Form des Romans, dessen 13 Kapitel aus jeweils einem einzigen langen Satz bestehen. Diese sind so gebaut, dass nicht nur die Reden unterschiedlicher Figuren ineinander übergehen, sodass dass sich darüber hinaus engmaschige Verbindungen zwischen Personen, Orten, Zeitebenen und auch Gegensätzen ergeben. Hervorzuheben sind auch die Rhytmen der Sprache – von atemlosen Stellen bis hin zu langsamen Passagen, die Stillstand suggerieren.
Wie Moderator Manfred Müller in seiner Einleitung feststellte, sei es schwierige, »das, was auf einen zukommt in diesem Buch« in einer kurzen Einleitung abzubilden, doch das sei auch gar nicht sein Ziel: »Es ist ein Roman, der wahnsinnig viel zu bieten hat, wenn man nachliest und nachschaut, in dem sich sehr vieles verbirgt. Er kann wahnsinnig viel, und verlangt einiges.«
Zwischen den beiden Lesepassagen, in denen Laura Freudenthaler erstmals öffentlich aus »Iris« las, gab ein Gespräch die Möglichkeit, auf einige der in der Einleitung angesprochene Themen näher einzugehen, u.a. auf die Form, die für die Autorin einen völligen Neubeginn in ihrer Art zu schreiben darstellt:
»Ich konnte das nicht anders schreiben, als es so zu schreiben. Mich damit beschäftigend und diese Verbindungen herstellend, und ständig darauf stoßend, wie sich das eine aus dem anderen ergibt und wie das ineinander verflochten ist, musste ich das so erzählen. Ich habe mir das nicht vorgenommen, aber es erschien mir das einzig Folgerichtige in der Arbeit.«
Laura Freudenthaler
Moderation: Manfred Müller
Österreichische Gesellschaft für Literatur, 19. Februar 2026
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Laura Freudenthaler © ÖGfL -
Manfred Müller © ÖGfL -
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