Dominik Barta, Arnulf Knafl, Renate Faistauer, Eva Schörkhuber, Ursula Knoll, Christoph Bartmann, Ursula Ebel © ÖGfL
Gestern Abend stellten Arnulf Knafl und Renate Faistauer im Rahmen unserer Reihe »Reisen wir!« die von ihnen herausgegebene Anthologie »Im Fremden schreiben« (erschienen bei Edition Atelier) in der Literaturgesellschaft vor. Auszüge aus ihren Beiträgen lasen Dominik Barta, Ursula Knoll und Eva Schörkhuber. Im Anschluss an die Lesungen führte Christoph Bartmann ein Gespräch mit den Autor*innen.
»Im Fremden schreiben« vereint Texte von achtzehn ehemaligen Universitäts-Lektor*innen, die für mehrere Jahre an diversen Universitäten deutsche Sprache sowie die Kultur Österreichs unterrichteten.
Der Hauptverantwortliche für die Lektorats-Programme und für den Österreichischen Austauschdienst (OeAD) tätige Arnulf Knafl erklärt in seiner Einleitung zum Band, dass es in den letzten dreißig Jahren 1500 Auslandslektor*innen gab.
Er selbst hat zusammen mit Renate Faistauer die Anthologie herausgegeben und war ebenfalls als Auslandslektor in Budapest tätig. Seit 2004 ist er Lehrbeauftragter am Institut für Germanistik der Universität Wien. Renate Faistauer war als Lektorin in Kairo tätig und war von 2008-2016 Vize-Studienprogrammleiterin am Institut für Germanistik der Universität Wien. Seit 2021 leitet sie den Zertifikationskurs »Auslandslektorat. Weiterqualifikation für Universitätslektor*innen«.
Arnulf Knafl meinte, dass es die Idee zu diesem Buch schon lange gegeben hat und es für ihn eine Art »Wunschprojekt« darstellt, welches das Lektor*innenprogramm und ihre Teilnehmenden würdigen sollte. Er betonte, dass eine enge Beziehung zwischen der Lektoratstätigkeit und dem künstlerischen Schaffen bestehe, obwohl der Literaturunterricht im Laufe der Jahre zurückgegangen sei.
Wie sich der Beruf als Auslandslektor*in mit dem literarischen Schaffen und Schreiben verbinden lässt, konnten wir im Anschluss an die Einleitung hören. Die drei Autor*innen Ursula Knoll, Dominik Barta und Eva Schörkhuber lasen Auszüge aus ihren in der Anthologie erschienenen Texten.
Ursula Knoll war von 2012 bis 2015 in Prag an der Karls Universität als Lektorin tätig. Sie veröffentlichte mehrere Romane in der Edition Atelier, darunter ihr zuletzt erschienene Roman »Zucker«. In ihrem Text »Prager Novelle« sie: »Ein heißer Oktoberabend in Prag, ein dottergelbes Haus und eine unerklärliche Verwandlung, Einsamkeit, Wahn und ein Kampf mit der Maschine (…)«.
Eva Schörkhuber hat von 2014 bis 2017 als Lektorin in Bratislava gearbeitet, nachdem sie zuvor bereits an einem anderen Programm teilgenommen hat, bei dem sie als Praktikantin für den Unterricht von Deutsch als Fremdsprache in Algerien arbeitete. Ihre letzte Buchveröffentlichung »Die wunderbare Insel. Nachdenken über den Tod« wurde ebenfalls bei Edition Atelier veröffentlicht. »Das Anderswo ist ein Farbenmuster, das ich weiterreiche« ist der Titel des in der Anthologie erschienenen Textes der Autorin. Er behandelt die Themen Erinnerung und Herkunft vor dem Hintergrund einer Begegnung an der Universität in Bratislava.
Dominik Barta war von 2014 bis 2016 Auslandslektor in Warschau. Bartas zweiter Roman »Tür an Tür« erschien 2022 im Zsolnay Verlag. In seinem Text »Intellektuell sein« schreibt er über Beziehungen, Hoffnungen, über das Schreiben und den universitären Alltag.
Im Gespräch mit dem Moderator Christoph Bartmann erzählten die Autor*innen von ihren Erfahrungen während ihrer Tätigkeit als Auslandslektor*innen. Bartmann hat nach dem Studium der Germanistik als DAAD Lektor in Lissabon gearbeitet und war bis 2021 im Goethe-Institut tätig. Auf seine Frage nach der Einsamkeit, wenn man »im Fremden schreibt« antwortete Ursula Knoll, dass sie es anfangs sehr genossen habe, jedoch mit der Zeit auf Schwierigkeiten gestoßen sei. Das Unterrichtspensum sei sehr hoch gewesen, sie hätte jedoch das Glück gehabt, spannende Kurse zu unterrichten. Eva Schörkhuber berichtete von ihrem »bunten Alltag« an der Universität und der Realisierung toller Projekte. Dominik Barta erzählte von seinen ambivalenten Gefühlen: der Einsamkeit in Warschau einerseits und dem Vermissen von Warschau und der Wertschätzung der Menschen und der Universität nach seiner Rückkehr andererseits. Barta betonte, dass er den Unterricht sehr geschätzt hat und bis heute als Lehrer für den Bereich Deutsch als Fremdsprache tätig ist.
Begrüßung: Ursula Ebel
Moderation: Christoph Bartmann
Österreichische Gesellschaft für Literatur, 25. Februar 2026
In Kooperation mit dem Postgraduate Center der Universität Wien mit Unterstützung des Bundesministeriums für Frauen, Wissenschaft und Forschung
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