Im Zentrum des gestrigen Abends stand Alexander Lernet-Holenia (1897–1976), ein Autor, der, so Moderator Manfred Müller einleitend, »zwar immer wieder neu entdeckt« werde, »aber nie so richtig.« In der Zwischenkriegszeit und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg sei er als einer der großen österreichischen Erzähler gehandelt worden – »Die österreichische Literatur besteht derzeit aus zwei Autoren, aus dem Lernet und dem Holenia«, so Hans Weigls bekanntes Bonmot –, an diese Bedeutung habe er später nicht mehr anschließen können. Nach seinem Tod sei er in Vergessenheit geraten:
»Das ist eine Besonderheit dieses Alexander Lernet-Holenia: Es gibt viele Autoren, die vergessen werden, aber es gibt wenige, die sich irgendwann so einen Status erarbeitet haben und dann trotzdem so vergessen werden.«
Im Fokus des Abends stand neben der schillernden Figur Lernet-Holenia auch dessen großartiges Buch »Der Graf Luna«, ein Roman, der erstmals 1955 erschienen und jetzt im DVB-Verlag mit einem Nachwort des Germanisten Wynfrid Kriegleder neu aufgelegt worden ist. Dabei handele es sich, wie im Gespräch deutlich wurde, um ein Buch, das in keine Schublade gesteckt werden könne, das viele verschiedene Bücher in einem umfasse – einen Zeitroman, der sich mit der Mitschuld Österreichs am Nationalsozialismus auseinandersetze, eine psychologische Studie eines Wirtschaftstreibenden dieser Zeit, einen phantastischen Roman mit einem möglicherweise unzuverlässigen Erzähler, einen Kriminalroman und noch so manches mehr.
Den Höhepunkt des Abends bildete eine Lesung der Schauspielerin Andrea Eckert aus dem Roman, wobei die verschiedenen Lesepassagen jeweils von Wynfrid Kriegleder kurz eingeleitet wurden.
Lesung: Andrea Eckert
Moderation: Manfred Müller
Österreichische Gesellschaft für Literatur, 17. September 2026
Gemeinsam mit der Internationalen Alexander Lernet-Holenia-Gesellschaft und dem Verlag Das vergessene Buch