Unsere zweite Veranstaltung im September widmete sich gestern Abend Siebenbürgen. Wir durften dazu Wolfgang Martin Roth mit seinem Roman »Die Schuhe der Väter« (Löcker Verlag) gemeinsam mit Heinke Fabritius, der Kulturreferentin für Siebenbürgen, den Karpatenraum, Bessarabien und die Dobrudscha, begrüßen, die auch die Moderation des Abends übernnahm.
Bereits in seinem Ö1-Hörspiel »Mein Vater war Siebenbürger« thematisierte Wolfgang Martin Roth die Rolle der Siebenbürger während des Nationalsozialismus und Generationskonflikte die durch die Aufarbeiteung der Geschichte entstanden. Nun greift er diese Themen in seinem Roman »Die Schuhe der Väter« noch einmal auf.
Wie Heinke Fabritius in ihrer Einführung betonte, steht die Erinnerung bzw »die Fähigkeit, die erworben werden muss, um erinnern zu können« im Zentrum des Romans. Es wird jedoch nicht nur an das eigene Leben erinnert, sondern vielmehr die Erinnerung des Vaters in den Mittelpunkt gerückt.
Nach einer längeren Lesepassage aus seinem Roman, die ins Nachkriegsdeutschland führte, sprach der Wolfgang Martin Roth über die Hauptfigur Bodo, der über seinen Vater recherchiert. Er versucht Details zu der Rolle des Vaters während des Nationalsozialismus zu finden und stößt dabei auf dessen Verbindungen zur Waffen-SS, wie viele weitere Siebenbürger auch. Die transgenerationale Weitergabe von Traumata und ihre Verarbeitung, sind wichtige Themen, die der Autor in seinem Roman anspricht. Prozesse werden dabei nicht direkt angesprochen, sondern vielmehr wird versucht, sie zu evozieren. Immer wieder werden Nachwirkungen von Ereignissen beschrieben, jedoch nicht, was dabei geschah. Den Leser*innen bleibt somit Raum, um Geschehnisse selbst weiterzudenken.
Es ist ein Roman über das Verlassen der Heimat Siebenbürgen und die Heimatlosigkeit im Nachkriegsdeutschland sowie den Verstrickungen der siebenbürger Bevölkerung während der NS-Zeit.
Begrüßung: Manfred Müller
Moderation: Heinke Fabritius
Österreichische Gesellschaft für Literatur, 16. September 2026
Gemeinsam mit der Kulturreferentin für Siebenbürgen, den Karpatenraum, Bessarabien und die Dobrudscha, gefördert vom Bundesministerium des Innern der Bundesrepublik Deutschland