Dietmar Scharmitzer: Anastasius Grün. Lebensspuren und Nachlass.
Im September 2026 jährte sich zum 150. Mal der Todestag des Dichters und Staatsmanns Graf Anton von Auersperg, der unter dem Pseudonym Anastasius Grün Liebesgedichte und patriotische Balladen veröffentlichte. Das Werk des Dichters und Politikers kann in seinen politisch-poetischen literarischen Anliegen angesichts der aktuellen politischen Lage wieder als sehr relevant empfunden werden. Der Kampf um das freie Wort zu Zeiten des Grafs Anton von Auersperg lässt sich auch in unserer Gegenwart wiederfinden.
Dietmar Scharmitzer, der zu Anastasius Grün promovierte, hat mit seiner Biografie des Dichters ein Standardwerk vorgelegt. An diesem Abend sprach er in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur über dessen schriftlichen Nachlass.
Der Pionier des österreichischen Liberalismus verschwand spätestens seit 1918 aus dem allgemeinen Bewusstsein; das gilt auch für seine Korrespondenz, die, noch weitgehend unaufgearbeitet, in Archiven in Graz und Wien liegt. Dass Teile des schriftlichen Nachlasses sich in Graz befinden, liegt an der Tatsache, dass diese 1882 testamentarisch in den (nominellen) Besitz der Universität übergegangen sind. Auersperg, der eigentlich aus Ljubljana stammt, hatte seinen Lebensmittelpunkt in den 1850er-Jahren nach Graz verlegt.
Aus dem Nachlass sind, wie im Rahmen des Vortrags deutlich wurde, viele Erkenntnisse zu gewinnen; über poetische Motivationen und über politische Ambitionen, über die Beziehungen der Literaten untereinander und Konzepte zur Entwicklung der Monarchie und Europas.
In einer anschließenden Fragerunde mit dem Publikum kam es zu einem regen Austausch über damalige politische Dynamiken und die Reaktionen auf Auerspergs Texte. Die abschließende Frage danach, welche Instanzen sich um den noch weitgehend unaufgearbeitet Nachlass kümmern wird, stieß auf eine ernüchternde Antwort Scharmitzers. »Auf Denkmäler braucht man nicht zu warten«, meinte dieser. Anastasius Grün werde sich allerdings weiterhin unauffällig »durch die Masse wuchern«.
Einleitung: Christian Neuhuber
Eine Veranstaltung der Franz Grillparzer-Gesellschaft
Österreichische Gesellschaft für Literatur, 21. Oktober 2026
-
Christian Neuhuber © ÖGfL -
Dietmar Scharmitzer © ÖGfL -
Dietmar Scharmitzer und Christian Neuhuber © ÖGfL