In den ersten Monaten der bewegenden und durch Kafkas »Briefe an Milena« weltberühmt gewordenen Liebesgeschichte von Milena Jesenská (verheiratete Pollak) und Franz Kafka spielt Wien eine große Rolle, besonders die Gegend um die Bennogasse, wo sich das Postamt befand, und die Lerchenfelderstraße, in der Milena Pollak wohnte. In einer Straßenperformance begab sich am 26. Juni ›Kafka tanzt‹, bestehend aus Charlotte Aigner und Žiga Jereb, in eben dieser Wiener Gegend auf die Spuren der beiden.
Charlotte Aigner rezitierte eine Auswahl an Stellen aus den Briefen von Milena Pollak und Franz Kafka, auch drei Texte von Milena Jesenská fanden sich darunter, u.a. »Wien« (1919) und »Der Teufel am Herd« (1923).
Ein Wechselspiel der Stimmen entstand, Franz Kafka und Milena Jesenská kamen im Rahmen der Performance zu Wort.

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Žiga Jereb und Charlotte Aigner © Simon Spitzer -
Žiga Jereb und Charlotte Aigner © Simon Spitzer -
Žiga Jereb und Charlotte Aigner © Simon Spitzer
Die tschechische Schriftstellerin und Journalistin auch in Form ihres Nachrufs an Franz Kafka, in dem es heißt:
Er war scheu, ängstlich, sanft und gut, doch die Bücher, die er schrieb, sind grausam und schmerzhaft […] Er war zu hellsichtig, zu weise, um leben zu können, zu schwach, um zu kämpfen, schwach wie es edle schöne Menschen sind, die sich nicht darauf verstehen, den Kampf mit ihrer Angst vor Unverständnis, Ungüte, intellektueller Lüge aufzunehmen, da sie im voraus um ihre Hilflosigkeit wissen und im Unterliegen den Sieger beschämen. Er kannte die Menschen, wie sie nur ein Mensch von großer nervöser Sensibilität kennen kann, einer, der einsam ist und fast prophetisch den anderen am Aufblitzen der Augen erkennt. Er kannte die Welt auf ungewöhnliche und tiefe Art, selbst war er eine ungewöhnliche und tiefe Welt […] Er war ein Künstler und Mensch von derart feinfühligem Gewissen, daß er auch dorthin hörte, wo andere, taub, sich in Sicherheit wähnen.
Jesenská, Milena: Nachruf auf Franz Kafka, in Kafka, Franz: Briefe an Milena. Erweiterte Neuausgabe, Fischer TB Verlag: Frankfurt am Main 1995, 379–381
Aufgrund des großen Interesses – trotz der enormen Hitze an diesem Tag – wird diese Performance vermutlich bald erneut stattfinden. Alle Infos finden Sie auf der Website der Österreichischen Franz Kafka-Gesellschaft.
Eine Veranstaltung der Österreichischen Franz Kafka-Gesellschaft
Wien, 26. Juni 2026