Gestern Abend wurden bei vollem Haus zwei neue Romane vorgestellt: Isabella Breiers »Kosmo« (Septime) und Andreas Pavlics »Selige Unruhe« (Edition Atelier). Lesung und Gespräche mit Moderatorin Ursula Ebel führten in verschiedene Vergangenheiten und Zukünfte – und doch verbindet beide Bücher ein zentrales Motiv: Zeitreisen und Frauenfiguren.
Der groteske, fast sci-fi anmutende Roman »Kosmo« erzählt von einer Reise durch einen Windkanal in unterschiedliche Zukünfte und mystische, traumhafte Ortschaften. Die Hauptfigur Chave arbeitet in einem »Institut in den Diensten der enzyklopädischen Erinnerungsarbeit und menschlichen Gedanken- und Gefühlsinhalte« (in der Sektion ›Temporary Eternal Collection‹). Aus dem Jahr 2048 in unsere unmittelbare Gegenwart 2023 gesendet, begibt sie sich auf eine Expedition in den Süden des griechischen Festlands. Dabei bricht der vielschichtige Text mit Genre-Konventionen, bleibt geheimnisvoll und wirkt stellenweise wie ein dichter Dschungel. Die Autorin betonte im Gespräch, dass das Jahr 2048 für sie weiniger entscheidend sei – vielmehr ging es ihr darum, die Handlung in eine näherliegende Zukunft zu verlegen.
»Selige Unruhe« bewegt sich zwischen Gegenwart und Mittelalter – verbunden durch ein Kloster, das zum erzählerischen Knotenpunkt wird. Der Roman ist zugleich humorvoll und spannungsgeladen, ein Hybrid aus Thriller und historischem Roman mit poetischen Elementen. Er führt in eine fernere Vergangenheit und erzählt u.a. von Frauen im Tiroler Hof, wo sich die Geschichte einer heute kaum bekannten Frauengemeinschaft, nämlich der Beginen, entfaltet. Diese religiöse Frauenbewegung eröffnet einen alternativen Raum weiblicher Existenz jenseits der klassischen Rollen von Tochter, Ehefrau oder Nonne. Hier entsteht eine »vierte Möglichkeit«: politisches Engagement, Empörung und gegenseitige Unterstützung. Andreas Pavlic erwähnte im Gespräch, dass es ihm ein Anliegen war, diese historische Perspektive mit einem alltäglichen Gefühlt der politischen Ohnmacht zu verbinden. Ein Gefühl, das viele betrifft und nicht an bestimmte Orte gebunden sei.
Abschließend gaben beide Autor*innen noch kurze Einblicke in mögliche zukünftige Projekte – ein offener Ausblick nach einem Abend, der Vergangenheit und Zukunft eindrucksvoll miteinander verschränkte.
Moderation: Ursula Ebel
Österreichische Gesellschaft für Literatur, 16. April 2026