Gestern Abend wurde Reinhard Urbach (1939-2025), einer zentralen Figur des Wiener Kulturbetriebs, gedacht.
Als Mitarbeiter und stellvertretender Leiter der ÖGfL (1968–1975), Gründer des Literaturreferats der Stadt Wien sowie des Literarischen Quartiers in der Alten Schmiede (1975–1977), (leitender) Dramaturg am Wiener Burgtheater (1977–1986) sowie als Direktor des Theaters der Jugend (1988–2002) prägte er zentrale Orte des Wiener Literaturgeschehens wesentlich mit.
Zwei seiner Weggefährten – Kurt Neumann in der Alten Schmiede, Klemens Renoldner am Burgtheater – stellten Reinhard Urbachs Literatur- und Lektürekosmos in Lesungen und Gespräch vor. Ebenso war Reinhard Urbach durch ausgewählte Tonbeispiele selbst zu hören.
Wie Manfred Müller in der Einführung des Abends berichtete brachte er die Literaturwissenschaft ins Programm der Literaturgesellschaft, moderierte zahlreiche Veranstaltungen und war zentral, um exilierte Wissenschaftler*innen nach Wien einzuladen. Walter Famler, der im Namen der Alten Schmiede begrüßte, berichtete von Plänen, mt Hilfe der Stadt Wien Reinhard Urbachs Bibliothek im Karl-Marx-Hof weiter erhalten zu wollen.
Kurt Neumann, Nachfolger Urbachs in der Alten Schmiede, skizzierte dessen Grundhaltung gegenüber Werken der Gegenwartsliteratur, die, wie er sagt, phänomenologisch zu sehen war. »Sein Blick war vor allem auf die strukturellen Eigenheiten und Besonderheiten der Texte, die Schreibhaltungen und Interessen der Autorinnen und Autoren gerichtet und darauf, wie diese literarische Gestalt angenommen haben.« Ebenso trug er ›Textgrüße‹ von Ilse Aichinger, Alfred Paul Schmidt, Elfriede Gerstl und Paul Nizon vor. Vier Autor*innen, mit deren Literatur Reinhard Urbach sich intensiv beschäftigte.
Klemens Renoldner erzählte von Urbachs Zeit am Wiener Burgtheater, u.a. über zahlreiche Dramaturgiesitzungen, die einerseits Planungen für einen Spielplan der folgenden Jahre beinhalteten, andererseits sich aber auch individueller Stückbetreuung, neuen Stücken, neuen Übersetzungen, der Betreuung von noch nicht bekannten Gastregisseuren und v.a. auch Besetzungsfragen widmete. Er gab somit einen Eindruck in die Arbeit des bedeutenden Kulturschaffenden.
Zum Abschluss des Abends sprach der Dramaturg und ebenfalls jahrelanger Kollege Urbachs Gerd Leo Kuck ein paar Worte zu seinen Erinnerungen an Urbach.
Gemeinsam mit dem Literarischen Quartier – Alte Schmiede
Österreichische Gesellschaft für Literatur, 21.1.2026