Gestern Abend begann in Zusammenarbeit mit der Erika Mitterer Gesellschaft die feierliche Eröffnung des von Wyndfrid Kriegleder organisierten dreitägigen Symposions: »Erika Mitterer und die (internationale) christlich-katholische Literatur von der Jahrhundertwende bis in die 1950er Jahre«. Zu Beginn des Abends betonte Manfred Müller in seiner Begrüßung der Gäste, wie eng Erika Mitterer seit Beginn mit der Literaturgesellschaft verbunden war. Bereits 1971 hielt sie in der Literaturgesellschaft ihre erste Lesung und war seither immer wieder zu Gast. Auch nach ihrem Tod im Jahr 2001 ist diese Verbindung nicht abgerissen. Im Gegenteil, das Vermächtnis Erika Mitterers wird bis heute weitergetragen.
Den Auftakt gestaltete der Geschäftsführer der Erika Mitterer-Gesellschaft, Christoph Gstaltmeyr. In seiner Eröffnungsrede machte er deutlich, dass dieser Abend kein gewöhnlicher Abend sei. Seine Einleitungsworte zeichneten die wichtigsten Stationen von Erika Mitterers Lebensweg nach: Einerseits ihre große schöpferische und dichterische Tätigkeit als Autorin der sogenannten Inneren Emigration, andererseits ihre besondere Sensibilität für das Transzendentale und Göttliche.
Anschließend präsentierten die Literaturwissenschaftlerin Nikola Herweg vom Marbacher Literaturarchiv sowie der Moderator des Abends, Hubert Arnim-Ellissen, den Bestand Erika Mitterers im Marbacher Literaturarchiv mit großer Akribie und Sorgfalt. In diesem Zusammenhang erwähnte Nikola Herweg, dass die Tagebücher von Erika Mitterer bereits digitalisiert wurden und im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek zugänglich sind. Im Laufe des Abends wurde Mitterers Lebensgeschichte mithilfe von Fotografien, Gedichten, Tagebucheinträgen und Briefen eindrucksvoll rekonstruiert.
Erika Mitterer wurde am 30. März 1906, am Vorabend des ersten Weltkrieges, geboren. Sie wuchs in Wien auf und besuchte die Volks- und Bürgerschule Luithlen. Ihr Interesse an der Weltliteratur entwickelte sie schon früh durch Goethe, Tolstoi und Dostojewski. Sie stammte aus einer gutbürgerlichen Familie mit humanistischem Hintergrund, was sich später auch in ihrer Berufswahl als Fürsorgerin widerspiegelte. Diese Tätigkeit eröffnete ihr die Möglichkeit, sich schriftstellerisch mit Nächstenliebe und dem Göttlichen auseinanderzusetzen. Ihr Schaffen als Dichterin und Schriftstellerin prägte die (katholische) Nachkriegsliteratur nachhaltig.
Wenn ich beten könnte, müsste ich nicht schreiben…
Erika Mitterer
Begrüßung: Manfred Müller
Moderation: Hubert Arnim-Ellisen
Österreichische Gesellschaft für Literatur, 6. Mai 2026
Gemeinsam mit der Erika Mitterer-Gesellschaft, mit Unterstützung des Landes Niederösterreich und der Stadt Wien.