Am Montag durften wir Sama Maani und Hubert Weinheimer zu einem literarischen Abend im Kaffeehaus begrüßen – aufgrund von Umbauarbeiten im Café Central dieses Mal im »kleinen Bruder«, dem Café Decentral auf der Feyung. Im Wechselspiel von Lese-, Performance- und Gesprächspassagen präsentierten die beiden Autoren ihre brandneuen Romane, die die Kombination aus raffinierter Erzählstruktur, einem spielerischen Umgang mit Fiktion und Wahrheit sowie vielen popkulturellen Anspielungen mit einer in diesen Tagen höchst aktuellen Thematik vereint.
»Zirkus Morgana« (müry salzmann), der zweite Roman des Autors und Musikers Hubert Weinheimer, verbindet das Thema der Stunde, die Künstliche Intelligenz, mit der Welt des Zirkus und existentiellen Fragen nach Identität und Sinn. In einer zwei- wenn nicht dreifachen Schöpfungsgeschichte wird auf unterschiedlichen fiktionalen Ebenen und aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt. Im Zentrum steht dabei das 3D-Korrekturprogramm 8.03, das sich nach einer Erleuchtung seiner selbst bewusst wird und von seiner eigenen Menschwerdung träumt. Wie Hubert Weinheimer im Gespräch erzählte, habe am Beginn des Romanprojekts aber der Zirkus gestanden – genauer gesagt eine Brache in der Nähe des Margarthengürtels im 5. Wiener Gemeindebezirk, Standort eines Zirkus sowohl in der Realität als auch in der Fiktion. Denn 8.03 erschafft in der Simulation nicht nur sein eigenes Alter Ego Peter, sondern, mit dem Ziel, Teil ihrer Geschichte zu werden, auch die Zirkusfamilie Morgana.
Der viele Jahre als Psychoanalytiker tätige Schriftsteller Sama Maani legt mit seinem neuen Roman »Zu Besuch bei Onkel Napoleon« (Drava) ein Buch vor, dessen Titel Programm ist: Verschiedene Figuren geraten von Wien aus versehentlich in die Welt der iranischen Kultserie »Mein Onkel Napoleon«, und zwar beim Versuch, eine andere Serienfigur in ihre »eigene« Serie zurückzuschicken. Der »Vorhof« der Serie erweist sich als Zwischenwelt und Möglichkeitsraum, von der aus der Roman mithilfe der Technik der Collage und einer psychoanalytischen, assoziativen Schreibweise verschiedene Stationen der kollektiven Geschichte Teherans vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis ins Jahr 2023 erkundet. Wie auch schon in früheren Büchern Saamis, etwa »Teheran Wunderland« oder »Žižek in Teheran«, ist das fiktive Land Teheran nicht mit dem Iran gleichzusetzen, wenngleich die Fiktion mit realen Fakten durchsetzt ist.
Moderation: Nicole Kiefer
Café Decentral Wien, 30. März 2026
Eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Café Central Wien
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Sama Maani © ÖGfL -
Sama Maani und Nicole Kiefer © ÖGfL -
Hubert Weinheimer © ÖGfL -
Hubert Weinheimer und Nicole Kiefer © ÖGfL