Am Montag fand bereits die 30. Ausgabe unserer Reihe ›DA CAPO‹ statt, die wir gemeinsam mit dem Café Central Wien veranstalten. Manfred Müller begrüßte dafür Lydia Mischkulnig und Martin Prinz im schönen Arkadenhof des Café Centrals, um über das Zusammenspiel von Realität und Literatur zu sprechen. Im Zentrum des Abends standen die aktuellen Bücher der beiden Autor*innen, »Beau Rivage. Eine Rückkehr« (Leykam) und »Die letzten Tage« (Jung und Jung), die einerseits in der Geschichte verankert sind, andererseits aber auch in die Gegenwart mit hineinspielen.
Lydia Mischkulnig verbindet in »Beau Rivage« eine Vielzahl von Personen und Themen seien es der Gegensatz zweier Orte wie Afghanistan und der Schweiz, die Diskrepanz zwischen zwei Welten, das Rote Kreuz, aber auch Literatur und Kunst. Martin Prinz hingegen widmet sich in »Die letzten Tage« realen Geschehnissen, die in kleinen Dörfern im südlichen Niederösterreich Ende des 2. Weltkriegs stattgefunden haben. Bereits absehbar, dass der Krieg in wenigen Tagen vorbei sein wird, stellt ein SS-Offizier gemeinsam mit anderen Genossen ein Standgericht auf, um willkürlich Menschen hinrichten zu lassen.
Im Gespräch sprachen die Autor*innen über die Ideenfindung, den Umgang mit Realität und Fiktion und der Umsetzung in Literatur. Für Lydia Mischkulnig, in deren Stoffen auch surreale Elemente mit einfließen, sind beispielsweise auch idyllische Landschaftsbeschreibungen immer durch die Menschheitsgeschichte durchdrungen. Bei der Konzeption ihres Romans faszinierte sie vor allem der Kontrast von Schönheit und absolutem Grauen, der für sie stets zusammenspielt und zusammen gehört.
Martin Prinz Roman hingegen zeichnet sich durch eine Montage verschiedener Informationen und Texte aus. Der Autor erklärte die Herangehensweise an den Text, der keinen Ausnahmefall bzw. verbrecherische Besonderheit beschreibt, sondern die Grausamkeit des NS-Alltags, der Offiziere, aber auch der Dorfbevölkerungen, der trotz des bevorstehenden Ende des Krieges, dennoch weitergeführt wird. Er sieht hierbei nicht nur ein Befolgen von Befehlen, sondern die Inkorporierung der Verbrechensgesellschaft selbst.
Ergänzt wurde das Gespräch durch Lesepassagen der beiden Autor*innen.
Moderation: Manfred Müller
Gemeinsam mit dem Café Central Wien
Café Central, 9. Februar 2026
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Martin Prinz, Lydia Mischkulnig und Manfred Müller ©ÖGfL -
Lydia Mischkulnig: ©ÖGfL -
Martin Prinz, Manfred Müller: ©ÖGfL -
Manfred Müller: ©ÖGfL