Franz Kafka stellt einen Fixpunkt in den Lehrveranstaltungsverzeichnissen diverser Institute der Universität Wien dar, am Mittwoch besuchten Student*innen des Instituts für Germanistik den Kafka Studien- und Gedenkraum in Kierling.
Nachdem am Beginn des Jahres Studierende des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, sie sich mit der intermedialen Rezeption von Kafkas Werk beschäftigten, den Studien- und Gedenkraum besuchten, begrüßten wir am Mittwoch, 13. Mai Studierende des Bachelorstudiengangs Germanistik im Rahmen der Lehrveranstaltung »Franz Kafka und Prager dtspr. Literatur« von Susanne Hochreiter.
Dass sich die Studierenden gerade mit den Zürauer Aphorismen Kafkas beschäftigen, stellte einen idealen Ausgangspunkt für die Führung dar. Diese kurzen Texte Kafkas entstanden während seines längeren Aufenthaltes von 1917-1918 bei seiner Schwester Ottla auf dem von ihr bewirtschafteten Landgut. Der achtmonatige Aufenthalt war notwendig, nachdem Kafka am 11. August 1917 einen Blutsturz in seiner Prager Wohnung erlitten hatte. Im September berichtete Kafka seiner damaligen Verlobten Felice Bauer von der infolge dieses Vorfalls Lungenspitzen-Tuberkulose diagnostiziert worden war. Der Zürauer Aufenthalt bildet somit den Beginn der Krankengeschichte Kafkas, die im Sanatorium Dr. Hoffmann am 3. Juni 1924 sein Ende nahm.
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Nachdem der Fokus der Führung zu Beginn auf den biographischen Details zu Franz Kafka und seiner Familie lag, verlagerte sich der Schwerpunkte rasch auf Kafkas letzte Stationen. Auf seinen Aufenthalt in Müritz an der Ostsee im Sommer 1923 folgten Monate in Berlin gemeinsam mit Dora Diamant. Infolge des sehr schlechten körperlichen Zustandes musste die Wohnung aufgegeben werden, es folgten Aufenthalte im Sanatorium Wienerwald in Pernitz, im AKH Wien und später im Sanatorium Dr. Hoffmann in Kierling gewählt – schlussendlich Kafkas letzte Station.
Sanatorium Wienerwald, Sanatorium Dr. Hoffmann
Kafka beschrieb seinen Eltern die Gegebenheiten in Kierling einige Tage nach seiner Ankunft als sehr freundlich, gleichzeitig fällte er ein hartes Urteil über den Aufenthalt im Sanatorium Wienerwald in Feichtenbach bei Pernitz:
Liebste Eltern, nach dem früheren Sanatorium konnte ich, wenigstens jetzt, nicht wieder zurück, es war für mich mit allzu abscheulichen Erinnerungen belastet, dann die Ärzte, einer tyrannisch einer weichmütig, aber beide medicingläubig und in der Not hilflos, dann die schreckliche Entfernung von Wien (4 Stunden) falls ich etwa wieder hinmüßte, auch das Essen nicht sehr erfreulich […] , – blieb also nur die wirklich unglaublich herrliche Lage. So wählte ich, wählten wir, wählte sich dieses kleine freundliche Sanatorium. Es kommt ja vor allem darauf an, jetzt wenigstens ein, zwei kleine Schrittchen vorwärts zu tun.
Franz Kafka an seine Eltern, Brief vom 21. April 1924
Kafka, Franz: Briefe an den die Eltern aus den Jahren 1922-1924. Hg. von Josef Cermák, Martin Svatos. Frankfurt a.M.: Fischer Verlag 1993, S.74-75.
Die Studierenden beschäftigen im Rahmen der Führung Fragen zu Kafkas konkretem Sterbeort im Sanatorium Dr. Hoffmann, zum Verlauf der auch heute noch existierenden Krankheit Kehlkopftuberkulose und zu etwaigen Heilungschancen sowie Kafkas literarischen Tätigkeiten während seines 46-tägigen Aufenthalts in Kierling – vom 19. April bis 3. Juni 1924. Abschließend stand eine Spazierrunde im Maital-Weg am Programm, welche einen Blick von Seiten des Wienerwalds auf das Sanatorium ermöglicht.