Dialekt ist ein eher selten gesehener Gast auf der Bühne der Literaturgesellschaft. Doch gestern Abend wurde ihm ein ganzer Abend gewidmet: Wir durften zwei Neuerscheinungen vorstellen, die sich den großen gemeinsamen Nenner Dialekt teilen. Nichtsdestotrotz unterscheiden sie sich inhaltlich deutlich. Es handelt sich einerseits um Eva Lugbauers »EADN. Lyrik« (Literaturedition NÖ), und andererseits um El Awadallas »U-BAHN, OIDA. Wiener Schmäh auf allen Linien« (Milena Verlag). »U-BAHN, OIDA.« ist der zweite Band innerhalb Awadallas Reihe der »U-Bahndialoge«, die 2012 erstmals erscheinen sind.
In »EADN« setzt sich Eva Lugbauer auf eindringliche Weise mit Fragen von Zugehörigkeit, Zuschreibungen und Normen auseinander. Dabei bleibt die Sprache ein Anker für das weiblich-gelesene lyrische Ich und stellt ein Refugium von Erinnerung dar. Die Mundart bzw. der Dialekt steht für eine gesicherte Heimatverbundenheit, allerdings muss vertraute Sprache noch lange nicht für eine gesicherte Existenz stehen. Eine alte Welt wurde verlassen, um in einer neuen langsam Fuß zu fassen. In der gedruckten Ausgabe des Dialektlyrikbands wechseln sich die Gedichte mit ausgewählten Illustrationen von Katharina Zenger ab.
Was neben dem Wiener U-Bahnnetz in El Awadallas »U-BAHN, OIDA« den roten Faden bildet, ist der Wiener Schmäh: Ein rauer Ton, hinter dem aber ein herzlicher Inhalt steckt. Konversationen aus insgesamt 110 U-Bahn-Stationen bilden den Kern der Aufzeichnungen, und somit auch das Stadtbild Wiens, das Awadalla hier zeichnet. Sie erzählt davon, wie sie teils sehr lange fährt, um auf interessante Gespräche zu stoßen, an anderen Stellen beschreibt sie den Prozess auch wie folgt: „Monchmoi schiabns die Wuchteln nur so ausse.“ Kurz davor und kurz danach, in der Station selber aber auch im engen Umkreis der Station schnappt sie besonderes aus dem U-Bahn-Alltag auf.
Zum Abschluss des Abends wurde im gemeinsamen Gespräch mit Ursula Ebel u. a. das Motiv des Bewahrens von Sprache bei in Dialekt verfassten Büchern diskutiert. Für Eva Lugbauer liege es in der Natur der Sprache, dass sie sich immer wieder verändere und somit trete die Bewahrung für sie in den Hintergrund. Es ist das Klangbild der Worte, das für sie wichtig sei. Auch El Awadalla sieht den Fokus ihrer Arbeit nicht im Bewahren der Worte. Sie begeistere die Vielfalt an Ausdrucksvarianten für das gleiche Wort.
Moderation: Ursula Ebel
Österreichische Gesellschaft für Literatur, 1. Oktober 2026